Eine Tür, die sich zur Vergangenheit öffnet
Als ich auf die Anzeige für ein günstiges Zimmer antwortete, suchte ich einfach nur eine Unterkunft. Nicht mehr. Ruhige Gegend, Gemeinschaftsküche, zahlbare Miete. Ich klingelte. Sophie
öffnete die Tür.
Die Zeit schien stillzustehen. Sie hatte sich verändert. Dünner, faltiger. Ihr Blick, einst so sanft, war nun abweisend. Einige Sekunden lang sprach ich kein Wort.
Ich erklärte ihr den Grund meines Besuchs. Sie traten einfach beiseite, um mich hierin zuzulassen.
Die Wahrheit, nach der ich nie gefragt habe
Die Wohnung war einfach, blitzsauber. Eine Kinderzeichnung an der Wand. Ein zusammengeklappter Rollstuhl in der Ecke. Ich verstehe, noch bevor sie etwas sagte.
Ich entschuldigte mich. Unbeholfen. Zu spät. Sie schreien nicht. Sie weinte nicht. Sie erinnerte mich nur daran, dass ich sie weggeschickt hatte, ohne nach dem Grund zu fragen.
Außerdem erklärte sie es mir. Ihr Sohn. Ihre angeschlagene Gesundheit. Die dringend benötigten Medikamente. Und die zwei Monatsgehälter, die ich ihr schuldete und die ich Woche für Woche ohne mit der Wimper zu zucken hinausgezögert hatte.
Diese zweihundert Euro waren keine Laune. Sie leben warennotwendig.